Frau (New Orleans/Frankfurt/Main) - Grundvoraussetzung zum Senken des Cholesterinspiegels sind gesundes Essen und Bewegung. Klappt das jedoch nicht, helfen mehrere Millionen Deutsche mit Medikamenten nach. In der Hauptsache sind das nach Aussagen von Prof. Gerd Assmann von der Universität Münster so genannte Statine. Weltweit schlucken laut Assmann 20 Millionen Menschen Statine, der Weltmarkt werde auf 19 Milliarden Dollar (15,5 Milliarden Euro) geschätzt.
Cholesterin ist lebenswichtig, etwa zur Bildung von Zellhüllen, und wird natürlicherweise vom Körper gebildet. Der Mensch nimmt es aber auch zusätzlich mit tierischen Fetten auf. Ist zu viel so genanntes LDL-Cholesterin im Blut, können sich diese Fettstoffe jedoch in den Gefäßen ablagern, diese verengen und letztendlich zum Herzinfarkt führen. Statine hemmen die Cholesterinsynthese im Körper. Dabei sind die sechs auf dem Weltmarkt befindlichen Wirkstoffe sehr verschieden aufgebaut. «Die meisten Ärzte betrachten alle Statine als gleichwertig», kritisiert Prof. Winfried März vom Universitätsklinikum Graz. Je nach Grunderkrankung hat jedoch das eine oder andere Statin in Studien besser abgeschnitten.
Zudem haben Statine unterschiedliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneien. März: «Es gibt Statine, die sind für organtransplantierte Patienten günstiger, weil sie mit deren Medikamenten nicht wechselwirken, anderen haben für Kinder die besten Studiendaten. Ältere, mehrfach kranke Menschen sollten Statine mit möglichst geringen Nebenwirkungen erhalten.» In Deutschland ist im Jahr 2003 der Patentschutz für einige Statine abgelaufen, was billige Nachahmerpräparate auf den Markt rief.
Statine unterscheiden sich auch in ihrer Hauptwirkung. Sie senken den Cholesterinspiegel verschieden stark, wie Prof. Assmann, Geschäftsführer der Organisation International Task Force for Prevention of Coronary Heart Disease, betont. Daher sollten die Ärzte sehr genau auf das Verhältnis von Nutzen und Risiko achten.
Die Task Force weist zudem darauf hin, dass in vielen Studien nur 30 Prozent der Patienten Statine langfristig einnehmen. «Viele Hochrisikopatienten denken, wenn sie einmal einen Wert von 100 Milligramm LDL-Cholesterin pro Deziliter Blut erreicht haben, sie seien gesund. Statine müssen natürlich weiter genommen werden», sagt Assmann und betont zugleich: Hauptstütze für das Senken des Cholesterinspiegels sei eine Änderung des Lebensstils.
Die deutschen Gesellschaften für Herzmedizin raten in ihren gemeinsamen Leitlinien zur so genannten Mittelmeerkost: Einem geringen Anteil an Fleisch, viel Gemüse und Obst, zwei Mal Seefisch pro Woche und pflanzlichen Ölen wie Olivenöl oder Maiskeimöl. Risikopatienten für Herzinfarkt sollten drei bis sieben Mal pro Woche jeweils 15 bis 60 Minuten ihrem Leistungsstand angepasst trainieren
Nach Angaben von Thomas Rau vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf senken Statine das Risiko von bereits erkrankten Patienten für Herzinfarkte und Bypass-Operationen um 20 bis 30 Prozent. Bei einem von 10.000 bis einem von 100.000 Patienten könnten Muskelschäden auftreten, schreibt Rau im neuesten Journal «Herz» der Deutschen Herzstiftung (1/2004, Frankfurt/Main). Das Risiko für schwere Schäden lasse sich jedoch stark reduzieren. Wer bei den Alarmzeichen wie Muskelschmerz und Braunfärbung des Urins Statine absetze, müsse keine langfristigen Schäden befürchten.
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